Climate-KIC: Start-ups für den Klimaschutz

Der Climate-KIC Start-up Demo Day fand am 3. September 2015 auf dem EUREF-Campus Berlin statt (Foto: c-schaefer-foto.de/CC BY-SA 3.0; Logo: Climate-KIC; Montage: Jan Holubek).

Der Climate-KIC Start-up Demo Day fand am 3. September 2015 auf dem EUREF-Campus Berlin statt (Foto: c-schaefer-foto.de/CC BY-SA 3.0; Logo: Climate-KIC; Montage: Jan Holubek).

Vom senkrecht startenden Mini-Jet bis zum Miniatur-Gewächshaus für die Küche: Beim ersten Climate-KIC Start-up Demo Day am 3. September in Berlin präsentierten sich mehr als 20 Start-ups für klimafreundliche Technologien mit Ausstellungsflächen, Pitches und Sofa-Talks. Eine Auswahl der für mich spannendsten Innovationsprojekte möchte ich euch hier vorstellen.

Auf das Event von Climate-KIC* aufmerksam geworden bin ich über einen Blogbeitrag des Dresdner Start-ups Green City Solutions. Die vier Gründer haben mit dem „City Tree“ die erste vertikale, ökologisch-aktive Kommunikationsfläche entwickelt, quasi eine „Litfaßsäule 2.0„. Die freistehende Konstruktion versorgt mittels integriertem Wassertank und solarbetriebenen Pumpsystem vollautomatisch die vertikal angebauten Pflanzen, darunter spezielle Moose, die Feinstaub, CO2 und Stickstoffoxide aus der Luft filtern und binden können. Darüber hinaus bietet der City Tree bequeme Sitzbänke, Flächen für analoge Informationen (z.B. Logos oder QR-Codes), kann als WLAN-Hotspot dienen, die Begrünung steigert das Wohlbefinden der Menschen und die Verdunstungskühlung wirkt gegen städtische Hitze-Inseln (mehr Infos).

Ein Modell des "City Tree" beim Climate-KIC Start-up Demo Day auf dem EUREF-Campus Berlin, rechts davor Mitgründer Denés Honus (Foto: Jan Holubek).

Ein Modell des „City Tree“ beim Climate-KIC Start-up Demo Day auf dem EUREF-Campus Berlin, rechts davor Mitgründer Denés Honus (Foto: Jan Holubek).

Den Auftakt der insgesamt neun Pitches machte ein Start-up, das mich zunächst ungläubig an Zukunftsszenarien wie die Flug-Taxis im Film „Das fünfte Element“ erinnerte: Daniel Wiegand von Lilium Aviation stellte deren Konzept eines elektrisch betriebenen, senkrecht-startenden und -landenden Ultraleicht-Jets vor, der mit eingeklappten Flügeln auch am normalen Straßenverkehr teilnehmen kann. Tatsächlich ist das Team visionärer Luftfahrt-Ingenieure und Produktdesigner der TU München nicht das einzige, das an einem fliegenden Auto arbeitet – nach eigenen Angaben aber das erste, das nahezu emissionsfrei auf eine Geschwindigkeit von bis zu 400 km/h und eine Reichweite bis 500 km kommt und dank computergestützter Steuerung nur einen Sportpilotenschein erfordert. Und wer jetzt glaubt, das ganze sei noch ein realitätsfernes Konzept, dem sei gesagt: Das Video aus der Präsentation, das die beeindruckenden Flugmanöver eines recht großen Modells zeigte, ist zwar online noch nirgends zu finden – wohl aber der Countdown für den Rollout im Januar 2018.

Während neun Teams noch für den Einzug ins europäische Finale der Climate-KIC Venture Competition in Birningham pitchten, konnten mehrere Alumni des Climate-KIC Accelerator-Programms beim Sofa-Talk mit Ole Tillmann entspannt aus dem Nähkästchen plaudern. Mit dabei: Coolar, der stromunabhängige Kühlschrank. Das siebenköpfige Team aus Berlin hat ein Kühlsystem entwickelt, das nur durch die Wärme der Sonne in Kombination mit einem Adsorptionsprozess betrieben wird. Zudem ist er sehr robust gegen Erschütterungen und kann nach der Nutzung unproblematisch entsorgt werden. Hervorragende Voraussetzungen also für die Kühlung von Medikamenten oder Lebensmitteln in Entwicklungsregionen ohne oder mit erschwertem Stromzugang. Wirtschaftsingeneurin und Gründerin Julia Römer präsentierte auf der Ausstellung bereits einen Prototypen, wofür das Start-up zum Abschluss des Events vom Publikum zum Gewinner der „Expo-Competition“ gewählt wurde.

Auch mein vierter und letzter Favorit fand viel Zuspruch im Publikum und gewann mit seinem Pitch die deutsche Climate-KIC Venture Competition: Agrilution aus München hat sich der nachhaltigen und gesunden Ernährung der Weltbevölkerung verschrieben und beschäftigt sich dafür mit Vertical Farming. Das Ergebnis ist ein komplett neues Küchengerät, der plantCube: Ein geschlossenes Gewächshaus in der Größe eines Einbaukühlschranks, in dem das ganze Jahr über ideale Anbaubedingungen für verschiedene Kräuter und Gemüse erzeugt werden können. Dadurch fallen nicht nur Transportwege und der Einsatz von Pestiziden weg, sondern durch den präzise abgestimmten Kreislauf kann der Wasserverbrauch im Vergleich zu herkömmlichen Anbaumethoden sogar um bis zu 98% reduziert werden. Die Steuerung erfolgt software-gestützt über eine App und im Ergebnis erreichen die Eigengewächse einen bis zu vierfach höheren Nährstoffgehalt als das Gemüse aus Supermärkten, so Mitgründer Maximilian Loessl.


„Plant Cube – Selbstgezogenes aus dem Würfel“ im Bayerischen Fernsehen vom 20.08.2015, 17:30 Uhr (Quelle: br.de/mediathek).
 

Natürlich wurden beim Climate-KIC Start-up Demo Day noch viel mehr spannende, zum Teil auch auf Industrie und Wirtschaft fokussierte Innovationsprojekte vorgestellt. Wer mehr erfahren möchte, dem sei der Climate-KIC Blog empfohlen, auf dem neben der Venture Competition und dem Demo Day auch viele Start-ups im Detail beschrieben werden. 

*Climate-KIC („Knowledge and Innovation Community“) ist nach eigenen Angaben die „größte europäische Innovationsinitiative für klimafreundliche Technologien“. Sie wurde 2010 vom Europäischen Institut für Innovation und Technologie (EIT) gegründet, um innovative Projekte, Start-ups und Nachwuchstalente im Bereich Klimaschutz zu fördern und dafür Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlichem Sektor aus ganz Europa zusammenzubringen. Mehr als 500 grüne Start-ups haben seitdem an den Gründer-Programmen teilgenommen, mehr als 1.000 Nachwuchs-Talente absolvierten verschiedene Trainings- und Ausbildungsprogramme.

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